Demos in Itzehoe bleiben friedlich

Rund 850 Teilnehmer bei drei verschiedenen Gruppierungen – einmal gibt’s eine
Schubserei

ITZEHOE Schon von weitem sind sie zu sehen. Fahnen in Regenbogenfarben, Fahnen mit politischen Botschaften, aber auch schwarz-rot-goldene Deutschland- und
Friedensfahnen. Und jede Menge Banner und selbst gestaltete Plakate und Schilder mit
unterschiedlichen Botschaften.
Rund 850 Demonstranten aus drei verschiedenen Organisationen kommen am
Sonnabendmittag im Itzehoer Innenstadtbereich zusammen. Den Auftakt macht das
lokale Bündnis „IZ Demokratisch“ auf dem Meiereiparkplatz. Unterstützt wird es von
SPD, Grünen sowie deren Jugendorganisationen Jusos und Grüne Jugend. Die
Stimmung ist ausgelassen und fröhlich. Einige der Teilnehmer sitzen im Gras und
genießen die Sonne, andere lauschen der Livemusik und unterhalten sich. Eines aber
haben sie alle gemeinsam: Ihre Botschaft lautet, sich friedlich für die Demokratie,
Vielfalt und Menschlichkeit einzusetzen.
Die nächste Demo ist nicht weit: Auf dem Wochenmarktplatz versammeln sich rund 350 weitere Demonstranten, viele von ihnen schwarz gekleidet. Die Unterstützer des
„Netzwerks gegen rechts Itzehoe“, die unter anderem vom Deutschen
Gewerkschaftsbund, der Antifa und der linken Jugend kommen, halten ihre rot-weißen
Fahnen in die Höhe. Lautstark machen sie darauf aufmerksam, dass „hier kein Platz für
rechte Hetze und Nationalismus“ sei. Der Redner spricht damit auch den
Zusammenschluss „Gemeinsam für Deutschland“ (GFD) an.
Dieser hatte ursprünglich zu einer Kundgebung in Itzehoe aufgerufen. Der
Zusammenschluss fordert nach eigenen Angaben unter anderem „flächendeckende
Grenzkontrollen“, einen „verstärkten Bevölkerungsschutz“ sowie ein Nein zu Taurus-
Lieferungen und milliardenschweren Hilfen an die Ukraine. Auf den Malzmüllerwiesen
steht der Zusammenschluss nun den Gegendemonstranten, nur durch eine Mauer von
Polizisten getrennt, genau gegenüber.


Beim Aufeinandertreffen wird es hitzig
Hier ist dann von der einst lockeren Atmosphäre der ersten Demo nicht mehr viel zu
spüren. Laute und kurze verbale Auseinandersetzungen fliegen über die Straße. Immer
begleitet von lauten Pfiffen.
Als sich die Demonstrationszüge schließlich in Richtung des Theaters und des
Dithmarscher Platzes in Bewegung setzen, stehen sich die beiden Parteien eine Zeitlang gegenüber und schmeißen sich Parolen wie „Nazis raus“, „Halt die Fresse“, „Siamo tutti Antifascisti“ (Wir sind alle Antifaschisten) oder „Alerta, Altera antifascista“ ( Achtung, Achtung Antifaschist!) entgegen.
Leider bleibt es am Ende nicht nur bei den verbalen Auseinandersetzungen. Am
Dithmarscher Platz, wo sich beide Gruppen noch einmal begegneten, musste die Polizei nach Auskunft eines Sprechers wegen „einfacher körperlicher Gewalt“
dazwischengehen, es war zu Schubsereien gekommen. Zudem ermittelt die Polizei
wegen Verdachts einer Straftat. Zwei weitere Ordnungswidrigkeiten sind noch in der
Prüfung.

Die Polizei spricht von anfangs insgesamt 850 Teilnehmern, davon 250 vom
Zusammenschluss „Gemeinsam für Deutschland“ und jeweils 300 von den beiden
Gegendemonstrationen. An den jeweiligen Zielorten der Demonstrationen sollen
insgesamt 380 Personen angekommen sein.

Laut Polizei starteten rund 250 Demonstranten der Gemeinschaft für Deutschland, am Ende der Kundgebung waren es nur noch 100 Teilnehmer.

Viele der Teilnehmer der Gegendemonstrationen teilten ihre Botschaft.

Die Antifa und Co. stimmten lautstark auf den Gegenprotest ein.

Text und Bilder von Kristina Mehlert